Unser pädagogisches Konzept
Unser pädagogisches Konzept verbindet den freien Erfahrungsraum der Natur mit klaren Bildungszielen. Wir begleiten die Kinder dabei, ihre Persönlichkeit zu entfalten und wichtige Kompetenzen des Zürcher Lehrplans 21 handlungsorientiert zu erwerben. Damit schaffen wir einen Lernraum, der die Kinder befähigt selbstbewusst und selbstwirksam die eigene Zukunft zu gestalten.
Bildung für das 21. Jahrhundert: Natürlich, Zukunftsorientiert und Menschlich
In der Miranatura Schule Winterthur schaffen wir einen Lernraum, in dem Kinder in ihrem eigenen Tempo wachsen dürfen. Unser Angebot umfasst die gesamte Kindergarten- und Primarschulzeit in altersdurchmischten Gruppen, eingebettet in eine naturnahe Umgebung und getragen von einer achtsamen Gemeinschaft. Natürliches Lernen bedeutet für uns, dass Lernen vom Kind aus gedacht wird. Wir unterstützen das Kind im Erkennen von seinen Stärken und Interessen und bestärken es darin, diese zu verfolgen. Auch ist es ein Fokus den Lernenden Werkzeuge mitzugeben, damit sie sich in Zukunft selbstbestimmt aneignen können, was sie für ihr Leben brauchen.
Wir sind zudem der Meinung, dass Bildung für das 21. Jahrhundert anders gedacht werden darf. In einer Welt, in der künstliche Intelligenz und Maschinen immer mehr Routinearbeiten übernehmen und gefühlt wöchentlich neue Innovationen herausgegeben werden, geht es weniger um die reine Vermittlung von Wissen, sondern die Stärkung von Kompetenzen, die Maschinen nicht ersetzen können.
Unser Pädagogisches Konzept orientiert sich an den „vier Dimensionen der Bildung“, um Kinder optimal auf die Zukunft vorzubereiten:
- Wissen: Nicht nur „Was“, sondern „Wie“: Wir schaffen Verständnis für Zusammenhänge statt isolierter Daten.
- Skills (Fähigkeiten): die Anwendung des Wissens in unterschiedlichen Situationen (Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration – auch als 4K-Kompetenzen bekannt)
- Charakter: wie wir uns in dieser Welt verhalten (Achtsamkeit, Neugier, Mut und Resilienz)
- Meta-Lernen: die Fähigkeit zu reflektieren, sich anzupassen und zu entwickeln
Wie sieht das nun in der Umsetzung an der Miranatura aus?
In der Miranatura erreichen wir die oben genannten Ziele, indem wir die intrinsische Motivation respektieren und echte Erfahrungen fördern:
- Keine Klassentrennung: Wir setzen auf altersdurchmischtes Lernen (alle lernen von allen). Das schult soziale Kompetenzen, schwächt das Konkurrenzdenken und ermöglicht so individuelles Lernen in einer positiven Lernumgebung.
- Fächerinputs neu gedacht: Wir möchten traditionelle Fächer wie Mathematik oder Deutsch erlebbar machen, indem wir vom Lebensweltbezug der Kinder ausgehen und Spiel, Bewegung oder Experimente integrieren. Die Möglichkeit Dinge mit unterschiedlichen Sinnen zu erfahren, unterstützt die Ausbildung von neuen und nachhaltigen neuronalen Verknüpfungen.
- Projektorientiertes Arbeiten: Um den unterschiedlichen Entwicklungsstufen gerecht zu werden, führen wir Projekte mit den Kindern durch, in denen sie ihre Interessen verfolgen und Stärken einsetzen können.
- Natur als Lernraum: Draussen erleben Kinder Selbstwirksamkeit und lernen den flexiblen Umgang mit ihrer Umwelt. Die Natur reduziert Stress, steigert die Merkfähigkeit und festigt soziale Beziehungen.
- Problemlösung im Dialog: Bei Konflikten schaffen wir einen Raum, in dem die Kinder lernen, Konflikte selbstwirksam zu lösen. Wir begleiten sie dabei Bedürfnisse zu äussern, Gefühle zu verbalisieren und gemeinsam eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten tragbar ist.
- Bewertungsfreier Raum: Bei uns darf jedes Kind so sein, wie es ist. Wir schaffen eine Atmosphäre, in der sich Kinder ohne Angst vor Fehlern ausprobieren dürfen. Was von uns an die Kinder herangetragen wird, dient der Inspiration und Horizonterweiterung – was das Kind damit macht, überlassen wir ihm.
Fragen, die uns immer wieder gestellt werden (FAQ)
Die Kinder spielen sehr viel – lernen sie denn auch etwas?
Absolut. Das Spiel ist für Kinder keine blosse Freizeitbeschäftigung, sondern ihre wichtigste Lernform, welche die Grundlage für komplexe Lernprozesse legt. Dabei erwerben sie ganz natürlich Kompetenzen, die fest im Lehrplan 21 verankert sind:
- Wer auf Bäume klettert, trainiert mehr als nur Kraft und Balance. Das Kind lernt Risiken realistisch einzuschätzen und vorausschauend zu planen.
- Beim Bauen von Seilbrücken, Schaukeln oder Flaschenzügen erleben die Kinder angewandte Physik, Mathematik und Technik. Sie müssen statische Probleme lösen, Knoten lernen und logisch denken, damit die Konstruktion hält.
- Im Rollenspiel wechseln die Kinder ihre Perspektive. Sie müssen sich absprechen, Regeln aushandeln und Konflikte im Dialog lösen. Und ganz nebenbei erweitern sie unter anderem ihren Wortschatz und ihre Ausdrucksfähigkeit. Je nach Rollenspiel werden weitere Kompetenzen wie Schreiben oder Rechnen ganz natürlich ins Spiel integriert (Verkaufssituation, Theater etc.)
- In Strategie- und Gesellschaftsspielen decken wir spielerisch eine enorme Breite des Lehrplan 21 ab – und das oft nachhaltiger als auf einem Arbeitsplatt. Das Spektrum reicht von Mathematik & Logik (Wahrscheinlichkeiten einschätzen, strategisch vorausplanen) über Sprache (Regeln verstehen, argumentieren) bis hin zu essenziellen überfachlichen Kompetenzen (Konfliktfähigkeit, Ausdauer und Umgang mit Misserfolgen).
Wie vermittelt ihr im Wald traditionelle Fächer wie Mathematik oder Deutsch?
Die Kinder dürfen bei uns die mathematischen und sprachlichen Gesetzmässigkeiten in der direkten Anwendung lernen, damit das Wissen wirklich tief verankert werden kann.
Ein paar konkrete Beispiele…
…für das Fach Deutsch:
- Schreibvorbereitung: Eine gute Handschrift braucht eine entwickelte Feinmotorik. Wer schnitzt oder filigrane Knoten bildet, trainiert die Handmuskeln und Auge-Hand-Koordination, die für das spätere Schreiben nötig sind.
- Sprachkompetenz & Sachtexte: Um eine Pflanze in einem Bestimmungsbuch zu finden, müssen Kinder komplexe Texte lesen und verstehen.
- Ausdrucksweise: Im Morgenkreis lernen sie frei zu sprechen, Argumente logisch aufzubauen und anderen zuzuhören.
…für das Fach Mathematik:
- Mengen und Zahlen: Mathematik beginnt nicht auf dem Papier, sondern im Raum. Sortieren, Zählen und Kategorisieren von Naturmaterialien schaffen das logische Fundament für das Rechnen.
- Angewandte Geometrie: Wir schätzen Entfernungen, messen Umfänge und berechnen Volumina von Holzhaufen. Mathematik wird hier zum Werkzeug, um die Welt zu vermessen.
Es gibt auch Inputs, die nicht direkt mit dem Wald verknüpft sind. Und das darf auch sein. Bei allem, was wir vorbereiten, ist es uns wichtig es erlebbar zu machen, um Neugier und Begeisterung bei den Kindern hervorzurufen. Denn für was ein Kind sich begeistern kann, lernt es ganz natürlich.
Lernt denn mein Kind bei euch so viel wie in der Regelschule?
Wir sind vom Kanton verpflichtet uns an den Lehrplan 21 zu halten und das tun wir. Jedes Kind hat seinen individuellen Lernweg, da unterscheiden wir uns nicht von der öffentlichen Schule.
Wir setzen jedoch mehr auf Kompetenzen statt Arbeitsblätter: Wer 20 Rechenaufgaben auf einem Blatt löst, hat Fleiss bewiesen. Wer ausrechnet, wie viele Seile er für eine Hängebrücke braucht, hat mathematisches Verständnis bewiesen. Bei uns hat beides Platz. Hat ein Kind ein Thema praktisch begriffen, braucht es auch keine 20 Wiederholungen. Das Wissen sitzt tiefer.
Dein Kind wird vielleicht weniger Arbeitsblätter ausfüllen, aber es wird lernen selbständig zu denken, Probleme kreativ zu lösen und sich Wissen eigenaktiv anzueignen.
Erworbenes Wissen durch das Lösen von Arbeitsheften und Lehrmitteln sichtbar zu machen, gibt uns Erwachsenen Sicherheit, sagt aber nichts darüber aus, was das Kind wirklich nachhaltig verstanden hat. Echtes Lernen, welches für das Leben bleibt, findet auf einer viel tieferen Ebene durch echtes Erleben statt. Und das können wir bieten.
Ist denn gewährleistet, dass mein Kind jederzeit zurück in die Regelschule kann?
Wir müssen als kantonal bewilligte Schule die Anschlussfähigkeit garantieren. Natürlich kann dein Kind jederzeit zurück in die Regelschule, falls der Wunsch dazu da ist.
Unsere Lehrpersonen wissen, was für einen gelungenen Übertritt nötig ist und werden die Familie dabei unterstützen, diesen erfolgreich zu meistern.
Wenn die Kinder selbst bestimmen dürfen, was sie tun, werden sie dann nicht zu wenig auf die "harte Welt da draussen" vorbereitet? Das Leben ist schliesslich kein Ponyhof.
Wir sind überzeugt davon, dass die Kinder sich nicht „weltfremd“ entwickeln, sondern genau das Gegenteil der Fall ist. Bei uns lernen Kinder keine künstliche Härte und Anpassung, sondern Resilienz.
Sie lernen, dass es in gewissen Situationen Anpassung braucht, da sonst ganz natürliche Konsequenzen folgen: Zieht ein Kind im Regen seine Jacke nicht an, wird es nass. Spricht sich das Team beim Bauen einer Seilkonstruktion nicht ab, funktioniert die Konstruktion vielleicht nicht oder Teammitglieder möchten nicht mehr mitmachen, weil ihre Ideen nicht gehört werden. Das sind unmittelbare, logische Lektionen.
Wer gelernt hat, wer er oder sie ist und was er oder sie kann (Selbstwirksamkeit), lässt sich später von Stress oder Druck nicht so leicht umwerfen. Unsere Kinder entwickeln Selbstbewusstsein, das sie stabiler durchs Leben trägt als Kinder, die nur gelernt haben, Anweisungen zu verfolgen.
Was passiert, wenn mein Kind einfach nur den ganzen Tag rumsitzt und nichts macht?
Ein Kind, dass nichts tun will, darf bei uns auch einfach nur mal sein – und das ist sogar wichtig. In unserer reizüberfluteten Welt haben viele Kinder verlernt, Langeweile auszuhalten. Doch genau aus diesem „Nichts-Tun“ entsteht oft die grösste Kreativität.
Wir halten diese Phasen aus und beobachten die Kinder vertrauensvoll. Erfahrungsgemäss dauert dieser Zustand nicht lange. Die natürliche Neugier kehrt von selbst zurück und das Kind beginnt aus eigenem Antrieb ein Projekt. Was dann gelernt wird, ist intrinsisch motiviert und damit viel nachhaltiger, als wenn wir es zur Beschäftigung drängen würden.
Was muss ich im Homeschooling tun?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten und kommt sehr darauf an, wo das Kind steht und welche Ziele verfolgt werden. Wir stehen mit jeder Familie individuell im Austausch und arbeiten mit ausgesuchten Lehrmitteln, Materialien oder Plattformen.
Vergebt ihr Zeugnisse?
Im Schulalltag gibt es bei uns keine Noten oder Zeugnisse. Den Lernstand der Kinder erörtern wir, indem wir es aktiv begleiten, beobachten und tauschen uns regelmässig im pädagogischen Team über die Kinder und deren aktuelle Lernfenster aus. Auf Wunsch des Kindes oder der Eltern können wir in Absprache Lernstände, beispielsweise in Form von Noten, sichtbar machen.
Verpassen die Kinder im Wald nicht den Anschluss an die Technik?
Wir bauen das Fundament für digitales Verständnis. Um Programmieren zu verstehen, braucht ein Kind logisches Denken und Abstraktionsvermögen. Wer verstanden hat, wie ein Ökosystem funktioniert, wie man einen logischen Bauplan erstellt oder Symbole liest, hat die kognitiven Voraussetzungen für die digitale Welt geschaffen. Medienkompetenz beginnt für uns mit der Kompetenz, sich in der realen Welt zurechtzufinden.
Wir decken den Fachbereich Medien und Informatik auch mit digitalen Werkzeugen ab, wie beispielsweise Bee Bots oder Ozobots und haben unterschiedliche Möglichkeiten technische Geräte im Schulalltag zu verwenden.
Was möchtest du für dein Kind?
Wir machen Schule erlebbar. Wenn du auf der Suche nach einer Schule bist, in der dein Kind ganzheitlich gestärkt wird und so sein darf, wie es ist, melde dich bei uns.
»Der Dialog mit einem Kind sollte so gestaltet werden, dass es nie aufhört Fragen zu stellen. Denn sobald es fertige Antworten bekommt, hört es mit dem Fragen auf.«
Gerald Hüther